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Politik, Migration und Islam sind Themen, die in Österreich am ehesten Online-Beschimpfungen von JournalistInnen nach sich ziehen. Das zeigt eine heute veröffentlichte Studie des International Press Institute (IPI).

Die Studie untersuchte vier Monate lang Online-Attacken auf JournalistInnen in Österreich. Der Untersuchungszeitraum zwischen September und Dezember 2016 fiel mit dem zweiten Durchgang der Präsidentschaftswahlen zusammen.
Social-Media-Monitoring wurde dabei durch qualitative Interviews mit ExpertInnen und JournalistInnen, die Online-Beschimpfungen ausgesetzt waren, ergänzt.

Die heute in den Sprachen Deutsch und Englisch veröffentlichte Studie tangiert Kernfragen des Phänomens „Hass im Netz“: Welche Formen von Online-Beschimpfungen gegen JournalistInnen gibt es? Wann und wie treten diese auf? Wie gehen die einzelnen JournalistInnen damit um, und welchen Einfluss hat es auf ihren Beruf und ihr Privatleben?

Eine hohe Zahl der Beschimpfungen konzentriert sich auf die Plattform Facebook und tritt im Kontext mit Postings der Freiheitlichen Partei Österreich (FPÖ) auf. Postings von FPÖ-SpitzenpolitikerInnen, die die Berichterstattung einzelner JournalistInnen oder Medien aufgreifen, ziehen regelmäßig eine Welle an Beschimpfungen durch UnterstützerInnen der Partei nach sich.

115 Fälle von klaren Online-Beschimpfungen wurden auf verschiedenen Facebook-Pages aus dem FPÖ-Umfeld registriert. 93% dieser Fälle waren klassische Beschimpfungen, 7% wurden als Gewaltdrohung klassifiziert.

Die befragten JournalistInnen berichten übereinstimmend, dass keine Selbstzensur stattfinde. Und doch seien die Attacken eine Belastung und außerordentlich invasiv, speziell in Zeiten intensiver Beschimpfung.

Journalistinnen wurden vielfach nicht nur für ihre Arbeit, sondern auch geschlechtsspezifisch und sexistisch beschimpft. Diese Ergebnisse decken sich mit denen aus anderen Ländern wie der Türkei oder Ungarn, wo das IPI ähnliche Studien durchgeführt hat.

Zu den vom IPI empfohlenen Maßnahmen gehören psychologische Unterstützung, offene Thematisierung des Problems in der Redaktion und klar kommunizierte AnsprechpartnerInnen für betroffene JournalistInnen.

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